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Reifendruck für Rennrad und Gravel: Tabelle nach Gewicht und Reifenbreite

Welcher Reifendruck passt, hängt vor allem von der Last auf jedem Rad und von der Reifenbreite ab. Hier findest du eine Tabelle für gängige Gewichte und Breiten, erfährst, woher die Werte stammen, und wo ihre Grenzen liegen.

Für deine genauen Werte, mit Gepäck, eigener Gewichtsverteilung und Hookless-Grenze: zum Reifendruck-Rechner →

Reifendruck-Tabelle

Druck in bar, vorne / hinten. Gesamtgewicht ist Fahrer plus Rad plus Gepäck. Gerechnet mit der typischen Verteilung 45/55 und 15 % Einfederung.

Gesamtgewicht25 mm28 mm30 mm32 mm35 mm40 mm*45 mm*
60 kg3,6 / 4,43,1 / 3,82,8 / 3,42,5 / 3,02,1 / 2,61,7 / 2,01,4 / 1,7
70 kg4,2 / 5,1†3,6 / 4,43,2 / 3,92,9 / 3,52,4 / 3,02,0 / 2,41,6 / 2,0
80 kg4,8 / 5,9†4,2 / 5,1†3,7 / 4,53,3 / 4,02,8 / 3,42,2 / 2,71,9 / 2,3
90 kg5,4 / 6,6†4,7 / 5,7†4,1 / 5,1†3,7 / 4,53,1 / 3,82,5 / 3,12,1 / 2,6
100 kg6,0 / 7,4†5,2 / 6,4†4,6 / 5,6†4,1 / 5,0†3,5 / 4,32,8 / 3,42,3 / 2,8
110 kg6,6 / 8,1†5,7 / 7,0†5,1 / 6,2†4,5 / 5,5†3,8 / 4,73,1 / 3,72,6 / 3,1

* über 37 mm außerhalb von Bertos Messbereich berechnet · † hinten über 5 bar, nicht für Hookless-Felgen

Warum breite Reifen weniger Druck brauchen

ohne Last mit Last Einfederung

Unter Last federt der Reifen ein. Der Ingenieur Frank Berto hat in den 1980er Jahren 50 Rennradreifen bei verschiedenen Drücken und Lasten vermessen. Sein Ergebnis: Der beste Kompromiss aus Rollwiderstand, Komfort und Schutz vor Durchschlägen liegt bei etwa 15 % Einfederung, gemessen an der Reifenbreite. Bicycle Quarterly fand in eigenen Ausrolltests, dass Reifen ungefähr ab diesem Druck nicht mehr schneller wurden.

Bei gleichem Druck federt ein breiter Reifen im Verhältnis zu seiner Breite weniger ein. Berto hat bei 100 psi gemessen, dass ein 20-mm-Reifen um 18 % seiner Breite einfedert, ein 32-mm-Reifen nur um 10 %. Der schmale Reifen ist also zu weich, der breite zu hart. Für 15 % Einfederung braucht der breite Reifen deshalb deutlich weniger Druck.

Beispiel aus der Tabelle: Bei 84 kg Gesamtgewicht sind es mit 28 mm 4,4 bar vorne und 5,3 bar hinten, mit 40 mm nur 2,3 und 2,9 bar.

Vorne weniger Druck als hinten

Entscheidend ist die Last auf jedem einzelnen Rad. Auf dem Hinterrad liegt mehr Gewicht. Berto nennt 45/55 als typisch, Bicycle Quarterly hat bei einem Rennrad 40/60 und mit Gepäck hinten 35/65 gemessen. Deshalb fällt der Druck hinten höher aus.

In der Praxis fahren viele vorne und hinten fast gleich. Innerhalb von etwa 0,3 bar ist das unkritisch. Wichtig wird der Unterschied vor allem mit Gepäck oder bei schweren Fahrern auf schmalen Reifen, weil hinten sonst Durchschläge drohen.

Glatter Asphalt oder lieber Komfort

Die 15 % sind ein Kompromiss. Berto beschreibt selbst: 13 % Einfederung bedeutet mehr Druck, weniger Rollwiderstand und ein härteres Fahrgefühl. 17 % bedeutet weniger Druck, etwas mehr Rollwiderstand und mehr Komfort. Auf sehr rauem Belag oder Schotter kann weniger Druck sinnvoll sein. Feste Abschläge dafür gibt es in den Quellen aber nicht.

Hookless-Felgen: höchstens 5 bar

Für Hookless-Felgen legen ETRTO und ISO einen Höchstdruck von 5 bar fest. In der Tabelle sind die Werte markiert, die hinten darüber liegen. Wer so viel Druck bräuchte, fährt besser einen breiteren Reifen. Außerdem gelten immer die Höchst- und Mindestdrücke auf Reifen und Felge.

Reifenbreite richtig messen

Berto hat mit der tatsächlich gemessenen Breite gerechnet, nicht mit dem Aufdruck. Auf breiten Felgen fällt ein Reifen oft breiter aus als angegeben. Miss nach dem Aufpumpen mit einem Messschieber an der breitesten Stelle der Karkasse und nimm diesen Wert.

Schlauch oder Tubeless

Die Rechnung unterscheidet nicht zwischen Schlauch und Tubeless, und nach Silca ist der schnellste Druck für beide gleich. Der Unterschied liegt nach unten: Mit Schlauch drohen bei niedrigem Druck Durchschläge, bei denen der Schlauch zwischen Felge und Hindernis eingeklemmt wird. Mit Schlauch solltest du deshalb nicht unter die Empfehlung gehen. Tubeless fällt dieses Risiko weg, dort kannst du eher Richtung Komfort gehen. Wie viel weniger genau, dafür nennen die Quellen keine belastbare Zahl.

Woher die Werte stammen und wo ihre Grenzen liegen

Zwischen Bertos Messpunkten von 19 bis 37 mm trifft unser Modell seine Werte genau. Für breitere Reifen hat Berto nicht gemessen. Dort schreiben wir ein Modell der Aufstandsfläche fort, das an seinen Werten kalibriert ist. Das ist unsere eigene Herleitung und in der Tabelle mit Sternchen markiert.

Bertos Reifen waren Reifen ihrer Zeit, mit Schlauch. Geschmeidige moderne Reifen federn bei gleichem Druck stärker ein. Nimm die Werte deshalb als Startpunkt und probier 0,2 bar mehr oder weniger aus.

Für deine genauen Werte, mit Gepäck, eigener Gewichtsverteilung und Hookless-Grenze: zum Reifendruck-Rechner →

Quellen

Weitere Rechner